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Kritische Psychologie |
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Forum Kritische Psychologie 43Lebensführung, Antirassismus, Entwicklungsdiskurs, Intellektuelle
AbstractsRalph Baller: Älterwerden. Subjektwissenschaftliche Annäherung an ein allgemeines Problem Das Thema "Älterwerden" wird erstmals in die Kritische Psychologie eingebracht. Das Erkenntnisinteresse bezieht sich auf Älterwerden als je mein eigenes Älterwerden. Es wird ein System von Kategorien entwickelt, das den Mensch-Welt-Zusammenhang des Älterwerdens abbildet. Dabei zeigt sich, dass Alter keine Eigenschaft, sondern eine Situation ist. Individuelles Älterwerden wird als Aspekt subjektiver Handlungsfähigkeitsbestrebungen im Kontext gesellschaftlicher Altersstrukturen konzeptualisiert. Hierbei wird auch die Konfrontation des Subjekts mit unverfügbaren Altersfaktizitäten erörtert. Auf der Basis der entwickelten Grundbegrifflichkeit werden ein Phasenmodell individuellen Älterwerdens sowie Grundzüge subjektwissenschaftlicher Altersforschung formuliert. Ralph Baller: Growing old. A subject-scientific approach to an omnipresent problem Offering the first critical-psychological treatment of the subject of "aging", the paper aims a system of categories able to comprehend the man-world-context of anybodys growing old. Aging is not regarded as an internal property, but as a particular situation of the individual: It is thus contextualised as an aspect of keeping ones action potence against the background of societal structures of aging. This includes discussing problems of coping with facts of aging that the individuals cannot (easily) dispose of. Based on critical-psychological concepts, a stage model of growing old is pointed. The paper is concluded with an outline of a subject-scientific research on aging. Erica Burman: Macht und Geschlechterverhältnisse im Entwicklungsdiskurs In dem Artikel zeige ich die vielfältigen Überschneidungen zwischen den Diskursen über Geschlecht und (individueller sowie international-ökonomischer) Entwicklung auf. Unter Bezug auf einschlägige Diskussionen in Geschichtswissenschaft, Alltagskulturtheorie, Entwicklungsforschung und Psychoanalyse diskutiere ich die Feminisierung der Kindheit bzw. geringe Position von Frauen und Kindern (Jungen wie Mädchen) als ein Produkt des Entwicklungsprojekts der Moderne. Dabei zeige ich zum einen, wie traditionell paternalistische/normative Vorstellungen von "Helfen" und Intervention die Machtverhältnisse, die sie zu überwinden suchen, reproduzieren, und zum anderen, dass die nostalgische Vorstellung vom Kind (Mädchen) der Beziehung zwischen Geschlecht, Kindheit und Erinnerung wie auch einem sentimentalisierten Bild westlicher Subjektivität zu-grunde liegt, das wiederum Konsequenzen sowohl für Kinder hat, die solchen Vorstellungen nicht entsprechen, als auch für die aktuelle Debatte um die Zuverlässigkeit von Erinnerungen. Abschließend diskutiere ich Strategien zur Unterstützung des praktischen Kampfs um Einflußnahme auf die psychologische Politik von Geschlecht und Entwicklung. Erica Burman: Engendering Development This paper addresses the interconnections between discourses of gender and development. I argue for the necessary to consider the intersecting character of both notions of gender and formulations of both individual and international economic developmental models. Drawing on discussions in history, popular culture, development studies and psychoanalysis I discuss how the feminisation of childhood arises as a function of the modernist developmental project and gives rise to invideous positions for both women and (boy and girl) children. In particular the paper highlights, firstly, how the relations of "helping" and intervention that are central to both (individual and global) kinds of development as traditionally conceived are infused with a paternalism and repudiation of the Other that reinscribe the very power relations they seek to transform. Secondly, the connections between gender, childhood and memory are suggested as being overdetermined through the role of the (girl) child as nostalgic and sentimentalised exemplar of the western subjectivity, with particular consequences identified both for those children who fail to "fit" such conceptions and for the current debates about memorial accuracy (fallability and falsity). The final part of the paper moves from critique to offer six strategies to support practical involvement in diverse struggles around the psychological politics of gender and development. Susanne Lang und Rudolf Leiprecht: Autoritarismus als antirassistisches Lernziel? Eine kritische Betrachtung des Blue Eyed/Brown Eyed-Trainings (Jane Elliott) Die Autorin und der Autor, beide in der interkulturellen und antirassistischen Bildungsarbeit erfahren, formulieren eingangs Mindestanforderungen an eine antirassistische Bildungsarbeit und prüfen auf der Folie dieser Überlegungen die Konzeptualisierung von Rassismus im theoretischen Erklärungsansatz sowie die Erfahrungsberichte über die Praxis des Antirassismus Trainings von Jane Elliott. Es werden folgende Schlüsse gezogen: die Konzeptualisierung von Rassismus auf der Ebene der Theorie reicht nicht über ein dichotomisches Täter-Opfer-Schema hinaus, im praktischen Trainingshandeln ist ein konservativ-autoritäres Verständnis von Bildungsprozessen erkennbar. Darüber hinaus herrscht in der konkreten Interaktion mit den Teilnehmer(inne)n ein anti-dialogischer Kommunikationsstil vor. Susanne Lang & Rudolf Leiprecht: Authoritarianism as an anti-racist learning objective? Critical reflections on the "Blue Eyed/Brown Eyed" training (Jane Elliott) The authors, both experienced in inter-cultural and anti-racist educational work, begin by pointing out minimal requirements of anti-racist education. This serves as a foil to scrutinize Jane Elliotts anti-racism training programme, both with respect to its theoretical explanation for "racism" and to the progress reports on its practice. While the conceptualisation of "racism" does not lead beyond a dichotomous culprit-victim scheme, the practical training shows a concervative authoritarian understanding of education. In addition, an anti-dialogical style of communication appears to be predominant in the interaction with the participants. Ute Osterkamp: Lebensführung als Problematik von Subjektwissenschaft Der Artikel gliedert sich in drei Hauptteile: im ersten referiere ich die Differenzierung Holzkamps zwischen subjektorientierter und subjektwissenschaftlicher Forschung. Da die gesellschaftliche Dimension und subjektive Bedeutung individueller Lebensführung als konkreter Form, in der Individuen ihr Leben strukturieren, insbesondere über ihre systematische Behinderung einer solchen Selbstorganisation des eigenen Lebens deutlich wird, diskutiere ich im zweiten Teil die Erkenntnisse ehemaliger Häftlingen faschistischer Vernichtungslager über die demoralisierende Wirkung fremdbestimmter Verhältnisse sowie die systemstabilisierende Funktion der "normalen" Weigerung, diese zur Kenntnis zu nehmen. Im letzten Teil schildere ich die vielfach vermittelte Schwierigkeit, die Problematik des eigenen Verhaltens zu thematisieren, als zentrales Moment der Stabilisierung bestehender Machtverhältnisse und Behinderung subjektwissenschaftlicher Forschung. Ute Osterkamp: Conduct of ones life as a problem of subject science The article consists of three main parts: In the first I refer to Holzkamp´s distinction between subject-oriented and subject-science research. Since the societal dimension of an individual´s constructing their lives becomes particularly visible by the systematic obstruction of any self-determination, I discuss in the second part the insights of former detainees of fascist exterminations-camps into the demoralizing effects of being deprived of all influence on the conditions of one´s life which tend to remain invisible as long as we simultaneously profit from them. In the final part, I discuss the difficulties in articulating the problematic of one´s own behaviour as an essential element of sustaining given power-conditions and a fundamental hindrance to subject science research. Gundula Raabe: Schulisches Lernen und individuelle Subjektivität Welche Rolle spielt der Zusammenhang von individueller Subjektivität und schulischem Lernen in der aktuellen bildungspolitischen Debatte über Schul- und Unterrichtsreformen? Um diese kategoriale Frage an die gegenwärtige Bildungsdiskussion konkretisieren zu können, wird auf die Kritische Psychologie, insbesondere die subjektwissenschaftliche Lerntheorie zurückgegriffen. Sie stellt ein Analyseinstrumentarium für schulische Lehr-Lernsituationen sowohl für Schüler, als auch für Lehrer bereit. Mit Hilfe der kritisch-psychologischen Kategorien wird zudem hinterfragbar, welche Prämissen für subjektiv-intendiertes Lernen in gegenwärtigen bildungspolitischen Positionen überhaupt veranschlagt werden (können). So wird exemplarisch aufgewiesen, daß die von einem "konservativen" bzw. einem "rot-grünen" Strang vertretenen Vorschläge einer Bildungs- bzw. Schul-"Reform" einen je unterschiedlich verkürzten Begriff von (Lern-)Subjektivität implizieren. Alternative Sichtweisen auf schulisches Lernen und Lehren werden abschließend angesprochen. Gundula Raabe: Learning at School an individual subjectivity What role does the connection between individual subjectivity and learning in school play in the current debate on education reform and curriculum revisions? To address this question, it is referred to the study of Critical Psychology, and in particular to its theory of learning. Critical Psychology provides tools for the analysis of students experiences of learning and teachers experiences of teaching (and vice versa). By means of the interpretative categories of Critical psychology, it will be analysed what underlying premises are addressed in present day discussions on educational politics. It can be shown that conservative education reform proposals as well as those of the ruling party (red-green alliance) have a rather limited conception of subjectivity. Alternative views on learning and teaching in school will be addressed as well. Renate Schumak & Christian Schultz: Arbeitslosigkeit - ein "psychologisches" Thema? Der Beitrag beschäftigt sich im ersten Teil mit der Frage, was Psychologie, besser Psychologie vom Subjektstandpunkt zum Thema Arbeitslosigkeit beitragen kann. Der subjektwisschenschaftliche Standpunkt wird im Kontrast zur traditionellen psychologischen Arbeitslosenforschung expliziert. An verschiedenen Beispielen des Diskurses über Arbeitslose werden Gefahren einer psychologisierenden Denk- und Redeweise über Arbeitslosigkeit verdeutlich. Im zweiten Teil wird im engeren Sinne auf eine mögliche kritisch-psychologische Sichtweise des Phänomens Arbeitslosigkeit eingegangen, und zwar dadurch, dass er das Thema im Rahmen der von Holzkamp entwickelten Bedeutungs- und Begründungsanalyse angeht. Insbesondere werden einige für die Arbeitslosigkeit typische Praxisfelder vorgestellt und analysiert: Es geht um Fragen der Existenzsicherung, der Darstellung eigener Qualifikationen, der Alltagsgestaltung, der Pflege sozialer Kontakte und der Gestaltung der Lebensperspektive. Hintergrund des Beitrages sind die praktischen Erfahrungen der AutorInnen in einer psychologisch-sozialen Beratungsstelle für Erwerbslose und SozialhilfeempfängerInnen in Hamburg. Renate Schumak & Christian Schultz: Unemployment a "psychological" issue? The paper deals, first, with the issue what psychology, or rather: a psychology from the standpoint of the subject, can possibly contribute to the subject of unemployment. The subject scientific point of view is contrasted with traditional psychological research on unemployment. The risks of psychologising ways of thinking and talking are illustrated by examples of the common discourse on unemployed people. The second part elaborates on an alternative view of unemployment by tackling the phenomenon within the framework of the critical-psychological analysis of objective meanings and subjective grounds for action. In particular, some fields of practice that are typical of unemployment are analysed, e.g., issues of how to make a livelihood, to present ones qualifications, to manage ones day-to-day life, to cultivate ones social relationships, and to leave open prospects of a better living. The authorss analysis is based on their personal experience in a Hamburg psychological-social advice centre for people who are unemployed and/or on social security.
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