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Forum Kritische Psychologie 42

Kritikbegriff der Kritischen Psychologie

 

Kritikbegriff der Kritischen Psychologie

Morus Markard

"Lose your dreams and you will lose your mind" oder: Was ist kritisch an der Kritischen Psychologie?

 Abstract

Christoph Türcke

Vorlust - Virtualität - Enteignung.

 Abstract

Vamessa Lux, Jost Vogelsang

Biologisch-genetische Erkenntnismöglichkeiten und die Kritische Psychologie - Versuch einer Verhältnisbestimmung

 Abstract

Ulrike Behrens

Lernen statt Begabung: Vorschläge zu einer neuen Herangehensweise an das Problem individuell unterschiedlicher Leistungen

 Abstract

Claudia Stellmach

Rassismus als Wissenschaftsgegenstand - politisch und wissenschaftlich relevant

 Abstract

Gisela Ulmann

Versuchspersonen-Dasein. Erfahrungen aus einem empirischen Praktikum: "Die schlechte Versuchsperson denkt?"

 Abstract

 

 

Abstracts

 

Ulrike Behrens: Lernen statt Begabung: Vorschläge zu einer neuen Herangehensweise an das Problem individuell unterschiedlicher Leistungen

Traditionelle Begabungstheorien werden üblicherweise grob unterteilt in Anlage-, Umwelt- und Interaktionstheorien. Ausgehend von dieser Unterteilung werden grundlegende Charakteristika des Begabungsbegriffs kritisiert. Die vorgestellte Position soll aber nicht einem der drei Bereiche zugeordnet werden, sondern ist als Alternative zu den traditionellen Begabungstheorien gedacht. Hierfür wird die Kategorie des Lernens, wie sie von der Kritischen Psychologie erarbeitet wurde, für den Gegenstand in der Weise fruchtbar gemacht, dass ein Rekurs auf Begabungskonstrukte für die Erklärung der fraglichen (Leistungs-)Phänomene verzichtbar wird. Abschließend wird anhand des Hildesheimer Projekts "Lernen statt Begabung" vorgestellt, wie dieses theoretische Modell mit Hilfe der Kollektiven Erinnerungsarbeit (Haug) empirisch validiert werden kann.

Traditional theories of giftedness are usually roughly divided into nature-, nurture-, and interactionist theories. Resting upon this classification basic attributes of the concept of giftedness are criticised. However, the suggested position shall not be assigned to one of those three domains; rather, it is thought as an alternative to traditional theories of giftedness. For this purpose the category of learning, as elaborated by Critical Psychology, is made useful in a way that makes abdicable the recursion on giftedness constructions for the explanation of the relevant (performance) phenomena. Finally the Hildesheim research project "Lernen statt Begabung" is introduced as an attempt to validate this theoretical model with the help of Collective Memory Work (Haug).


 

Vanessa Lux & Jost Vogelsang: Biologisch-genetische Erkenntnismöglichkeiten und die Kritische Psychologie. Versuch einer Verhältnisbestimmung

Anhand biologisch-genetischer Theorien zu Begabung und Schizophrenie soll die Relevanz der Beschäftigung mit neuesten Erkenntnissen aus der Genforschung, z.B. des Humangenomprojekts, für die Psychologie verdeutlicht werden. Mit Lewontin, Rose und Kamin thematisieren wir sowohl die Verkennung des Verhältnisses Mensch-Welt durch diese Theorien, als auch ihre Funktionalität für die Legitimation bestehender Herrschaftsverhältnisse. Auf Grundlage der kritisch-psychologischen Fassung dieses Verhältnisses als gesamtgesellschaftliche Vermitteltheit individueller Existenz und Holzkamps Konzept der körperlichen Situiertheit versuchen wir, die Beziehung Mensch-Körper-Gene in einigen u.E. für Subjektwissenschaft relevanten Aspekten zu thematisieren. Problematisch ist, daß scheinbar genetische "Unzulänglichkeiten" statt gesellschaftlicher Behinderungen/Beschränkungen im Vordergrund der gentechnischen (Er-)Forschung stehen.

The relevance for psychology of the latest results from genetic research, such as the human genome project, is illustrated with bio-genetic theories of giftedness and schizophrenia. Following Lewontin, Rose, and Kamin, we address both the failure of these theories to recognize the relationship between human beings and the world and their functionality for legitimizing of existing relationships of power. On the basis of the critical-psychological conception of this relationship as a societal mediation of individual existence and of Holzkamp's concept of embodied situatedness we thematize some aspects of the relationship between human being-body-gene that are relevant for a science of the subject. The trouble with the gene-technological research is that it brings into focus seemingly genetic "insufficiencies" instead of societal obstacles and restrictions.


 

Morus Markard: "Lose your dreams and you will lose your mind" oder: Was ist kritisch an der Kritischen Psychologie?

Vor dem Hintergrund einer Rekonstruktion des Kritikbegriffs der Kritischen Psychologie und anderer Strömungen kritischer Psychologie wird entgegen der Entpolitisierung von Kritik in der Psychologie im Zeichen reflexiver Subjektivität und der Anerkennung des gesellschaftlichen Status quo in Folge der "Wende" die Notwendigkeit der Einheit von Psychologie- und Gesellschaftskritik von einem doppelten gesellschaftstheoretischen und psychologischen Standpunkt der Kritik aus begründet. Die mit dem damit geltend gemachten marxschen kategorischen Imperativ verbundenen Dilemmata der Kritik in und an der Psychologie sowie einer Psychologie vom Standpunkt des Subjekts und der Kritik an Standpunkten von Subjekten (restriktive Funktionalität, "Entwicklungsfigur") in empirischer Forschung werden theoretisch und methodisch erörtert; dabei wird für die Relevanz der bedeutungsanalytischen Dimension subjektiver Prämissenklärung plädiert. Die Umdeutung restriktiver Handlungsfähigkeit zu postmodern-progressiver Wandlungsfähigkeit wird als theoretisch bodenlos zurückgewiesen.

The concept of critique in Critical Psychology and in other currents of critical psychology is first reconstructed. Against the de-politicisation of critique within psychology in the name of reflexive subjectivity and of the affirmation of the societal status quo after the so-called "turnover" (German unification), the necessary unity of the critique of psychology and of society is explained from both a social theoretical and a psychological point of view. The Marxist categorical imperative thus advanced, brings with it certain dilemmas, namley the dilemma of a critique in and of psychology, and the dilemma of a psychology from the standpoint of the subject and its critique of the standpoints of subjects involved in empirical studies (restrictive functionality, the "figure of development"). In so doing we stress the relevance of the analysis of meaning in the clarification of subjective premises. The reinterpretation of the restrictive action potence in terms of a postmodern-progressive changeability is repudiated as theoretically ungrounded.


 

Claudia Stellmach: Rassismus als Wissenschaftsgegenstand politisch und wissenschaftlich relevant

Der Vortrag war Teil der Veranstaltungsreihe, die der AStA der FU Berlin im Wintersemeser 1998/99 in der bundesweiten Kampagne für Politik- und Meinungsfreiheit anlässlich der Maulkorbklagen gegen verschiedene ASten durchführte. Jeder Erklärungsansatz von AusländerInnenfeindlichkeit und Rassismus führt zu politisch-praktischen Handlungsorientierungen; sie unterscheiden sich freilich je nach Fragestellung und Gegenstandsbestimmung teils grundlegend voneinander. Ansätze, die Rassismus und AusländerInnenfeindlichkeit vorrangig als ideelle Konstrukte ihrer TrägerInnen ansehen, verzichten auf die Analyse ausgrenzender gesellschaftlicher Strukturen. Erklärungen hingegen, die auch diese Strukturen in den Blick nehmen, fordern, sowohl diese wie die Subjekte und deren Beziehung zueinander zu analysieren, und sind auf Veränderung nicht nur von Individuen, sondern auch der gesellschaftlichen Realität aus. Eine wissenschaftlich stimmige und konsequente Bearbeitung des Gegenstandes Rassismus muss insofern dem beschränkten Blick auf vermeintliche unmittelbar "studentische Angelegenheiten" entgegentreten.

This paper was part of a lecture series organised by the AStA (General Students Board) at the Free University of Berlin in the winter of 1998/99 in the nationwide campaign for political freedom and freedom of speech prompted by the suits against various AStA representatives for speaking out. It contends that every explanatory approach of xenophobia and racism leads to political-practical orientations of action notwithstanding their possible fundamental differences depending on their respective issue and definition of the subject matter. Approaches which primarily consider racism and xenophobia primarily to be mental constructs of their bearers fail to analyze societal structures of exclusion. By contrast, explanations which do consider these structures contend that we must not only analyze these structures but have to take into account the subjects and their interrelations as well. They are directed at changing not only individuals but also the societal reality. An accurate and consistent scientific analysis of the subject matter of racism must be sustained against the restricted perspective on presumably immediate "student affairs".


 

Christoph Türcke: Vorlust - Virtualität - Enteignung: Drei Stadien kulturindustriellen Fortschritts

Vorlust, eine Lust, die eigentlich noch keine ist, ist eine Form virtueller Realität. Folglich läßt sich die Form virtueller Realität, die die neuen Medien präsentieren, als Vorlust-Zustand dechiffrieren. Wenn Vorlust Ersatz von Lust ist, statt ihr Vorspiel zu sein, findet ein Enteignungsprozeß psychischer Qualitäten statt, in dem sich ökonomische Enteignung mit andern Mitteln fortsetzt. Ort dieser Enteignung ist der alltägliche kulturindustrielle Betrieb.

Pre-desire, which really is no desire yet, is a form of virtual reality. Therefore, we may decode the form of virtual reality which the new media present as a state of pre-desire. If pre-desire replaces desire instead of being its foreplay, a process of dispossession of psychic qualities takes place in which economical expropriation is continued by other means. The place of this dispossession is the everyday business of cultural industry.


 

Gisela Ulmann: Versuchspersonen-Dasein. Erfahrungen aus einem empirischen Praktikum: "Die schlechte Versuchsperson denkt?"

Was bedeutet es, Versuchsperson zu sein? Was erfahren denkende Menschen, wenn sie wie Quasi-Organismen reagieren sollen? Wie deuten sie die Bedingungen und mit welchen Gründen handeln sie wie? Diese und weitere Fragen wurden mit "Betroffenen" während drei aufeinanderfolgender (Winter-) Semester erforscht. Die dargestellten Erfahrungen bringen auch Aufschluss über die Praxis experimenteller psychologischer Forschung, wie sie von Studierenden geschildert wird.

What does it mean to be an experimental subject? What do thinking human beings experience when they are supposed to react as quasi-organisms? How do they interpret these conditions - and for which reasons do they act in which ways? These and other questions were examined with "involved subjects" in three succeeding (winter-)semesters. The presented experiences also illuminate the practice of experimental psychological research as it is portrayed by students.

 


 

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